Angedacht

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Harald Baumann07.06.2008
...nach dem Herzen Gottes
8 Jahre sind eine lange Zeit. Einerseits. Andererseits sind 8 Jahre auch recht kurz. Dann nämlich, wenn sie vorbei sind und man auf sie zurück schaut. Auf 8 Jahre Prediger-Sein in unserer Gemeinde schaue ich nun zurück, und natürlich bewegen im ersten Moment 2 Fragen: Was war in dieser Zeit?, und: Was bleibt? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich: Das lässt sich gar nicht in Worte fassen. Zu viele Geschehnisse, zu viel Erleben, zu viel Empfinden. Wie soll man das alles wiedergeben?
Doch bei all dem überwiegt – und darum möchte ich es hier scheiben – die Dankbarkeit. Dankbarkeit unserem Gott gegenüber, dass ich diese Zeit hier in unserer Gemeinde erleben durfte. Dankbarkeit aber auch unserer Gemeinde gegenüber, jedem einzelnen, mit dem ich in den vergangenen 8 Jahren ein Stück unterwegs sein konnte.

Ich spreche – oder schreibe – aber nicht nur für mich allein, sondern auch für meine Frau und unsere Kinder, die diese Dienstzeit über die Jahre mitgetragen haben.

Wir als Familie möchten uns herzlich bedanken, danken für dieses Stück gemeinsamen Weges und für das Teilen des Lebens.
Wir blicken nicht nur auf 8 Jahre Dienstzeit in unserer Gemeinde zurück, sondern auf 8 Jahre Leben. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Man überschätzt leicht das eigene Wirken und Tun in seiner Wichtigkeit gegenüber dem, was man durch andere geworden ist.“

Wir sind nicht mehr dieselben, als die wir vor 11 Jahren nach Marburg kamen und vor 8 Jahren den Dienst als Prediger annahmen, und durch unsere Gemeinde sind wir das geworden, was wir heute sind. Auch für diese Möglichkeit des Wachsens, des Reifens und des sich Entwickelns in der Mitte der Gemeinde möchten wir von ganzen Herzen „Danke“ sagen. Unser Leben ist dadurch reich geworden, reicher, als es vorher war.

Nun also das letzte "angedacht" für diese Homepage als Prediger. Als Familie bleiben wir unserer Gemeinde ja erhalten, und die Gemeinde bleibt uns erhalten. „Nur“ mein Dienstbereich ändert sich. Als Inspektor des Hessischen Gemeinschaftsverbandes werde ich viel in unseren Gemeinden in Hessen unterwegs sein, und nur noch selten am Ortenberg sein können. Das ist für mich eine sehr große Veränderung, und von daher auch ein Abschied.

Rückblick, Abschied soll aber nie ohne Blick nach vorn bleiben. Und so wünsche ich mir für unsere Gemeinde, dass sie weiter auf dem Weg bleibt, eine Gemeinde nach dem Herzen Gottes zu sein und immer mehr zu werden.
Was entspricht Gottes Herzen für unsere Gemeinde? Einen kleinen Einblick gibt 1. Petrus 2,9: „Ihr aber seid ein von Gott auserwähltes Volk, seine königlichen Priester, ihr gehört ganz zu ihm und seid sein Eigentum. Deshalb sollt ihr die großen Taten Gottes verkünden, der euch aus der Finsternis befreit und in sein wunderbares Licht geführt hat.“

Bei allem was gewesen ist, und bei allem was kommen wird tut es gut, zuerst einmal zu hören, wie Gott unsere Gemeinde sieht – „auserwähltes Volk, königliche Priester, sein Eigentum“. Das ist ein Qualitätsmerkmal, das aus dem Herzen Gottes kommt. Erwählt von ihm – keine andere Qualität macht Gemeinde zum Eigentum Gottes als diese. Diese Qualität kann nicht erworben oder erarbeitet werden, sie wird von Gott geschenkt! Er hat unsere Gemeinde nicht wegen ihrer eigenen Qualitäten zu seinem Eigentum erwählt, sondern weil er sie liebt. Wäre Lob und Dank nicht die logische Konsequenz aus dieser Tatsache?

„Königliche Priester“ nennt Gott die Gemeinde. Königlich, weil Gemeinde zum Königreich Gottes gehört. Priester, weil das Handeln der Gemeinde zuerst und zuletzt vertikal orientiert sein soll, also „von unten nach oben und umgekehrt“. Gemeindliches Handeln kommt aus der Beziehung zu Gott und will in die Beziehung zu Gott bringen. Diese vertikale Orientierung ist das Kriterium, ob Handeln dem Herzen Gottes entspricht.
Wäre es nicht logische Konsequenz aus dieser Tatsache, wieder viel mehr zuerst mit Gott über Menschen und Vorhaben zu sprechen?

Gemeinde nach dem Herzen Gottes hat auch einen Auftrag: „Die großen Taten Gottes verkünden, der euch aus der Finsternis befreit und in sein wunderbares Licht geführt hat.“
Gemeinde existiert nicht für sich selbst, sie ist immer gesandte Gemeinde. Gesandt, geschichtlich und gesellschaftlich bedeutsam zu handeln, indem Gottes große Taten verkündet werden. Verkündet durch Worte und verkündet durch Handeln.
Wäre es nicht logische Konsequenz aus dieser Tatsache, über das Handeln Gottes für uns in Jesus Christus und über sein konkretes Handeln in unserem Leben heute, ganz bewusst mit anderen zu sprechen und durch unser Tun und Lassen zu verkünden, was Befreiung aus der Finsternis und Leben im Licht bedeutet?

Ich wünsche Ihnen auch für die Zukunft ein fröhliches Unterwegssein in einer Gemeinde nach dem Herzen Gottes!

Harald Baumann