Angedacht
27.09.2009
Irgendwas, das bleibt
Seit einigen Wochen höre ich im Radio immer wieder ein Lied der deutschen Popgruppe „Silbermond“. Ich mag dieses Lied. Vor allem aber berührt mich der Text. Dort heißt es u.a.:
Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist
und alles Gute steht hier still.
Und dass das Wort, das du mir heute gibst,
morgen noch genauso gilt.
Diese Welt ist schnell
und hat verlernt, beständig zu sein.
Denn Versuchungen setzen ihre Frist.
Doch bitte schwör, dass, wenn ich wiederkomm,
alles noch beim Alten ist.
Gib mir’ n kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt, in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas, das bleibt.
Stephanie Kloß, die Sängerin von Silbermond, scheint hier etwas in Worte zu fassen, das eine unglaublich hohe Anzahl von Menschen in unserem Land gerade empfindet. Anders kann ich mir den Erfolg des Titels nicht erklären. Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit in einem Land, in dem selbst die Jobs bei bisher krisensicheren Unternehmen wie eine Seifenblase zerplatzen. Hätte mir vor Jahren jemand gesagt, dass wir ein großes Kaufhaussterben erleben würden, hätte ich ihn ausgelacht. Heute steht die 60jährige ehemalige Hertie-Mitarbeiterin vor der verschlossenen Tür ihres ehemaligen Arbeitsplatzes und sehnt sich ihre alten Sicherheiten zurück. Genauso geht es im Augenblick vielen. Arbeiter, Väter, Mütter, Azubis und Kinder, die nicht wissen, wie es in den nächsten Monaten weitergehen wird.
Es wirkt komisch, wenn gerade junge Menschen sich danach sehnen, etwas mehr Beständigkeit zu bekommen. Denn sie waren es doch, die sich zu allen Zeiten immer wieder und wieder danach sehnten, dass sich alles möglichst schnell verändert und sie immer mit neuen Dingen konfrontiert wurden. IKEA hat das vor einiger Zeit erkannt und deswegen mit dem Slogan geworben: „Entdecke die Möglichkeiten“. Dieser Satz ist längst wieder von der blau-gelben Fassade der Filialen verschwunden, weil auch in Schweden angekommen ist, dass die Unmengen an Möglichkeiten uns nicht glücklich machen, sondern nur verwirren.
Nun kann es sicherlich nicht darum gehen zu versuchen, die letzten Jahrzehnte einfach auszuradieren und zu versuchen, irgendwie nahtlos an die späten 50er Jahre anzuknüpfen, als noch bürgerliche Normen klar zwischen richtig und falsch entschieden (ob es immer richtig und falsch war, ist eine ganz andere Frage) und das Wirtschaftswunder für viele Menschen ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. Nein, es geht vielmehr darum zu überlegen, wie wir heute wieder Konstanten in unser Leben bekommen, die einer ganzen Generation neu das Gefühl geben, wirklich zu leben und nicht nur hin- und hergeworfen zu werfen.
Ich bin davon überzeugt, dass gerade heute die uralte Antwort auf die Frage nach Sicherheit und Geborgenheit genau die richtige ist. Denn bereits vor 3000 Jahren schrieb König David:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar (Psalm 23).
Wer das Leben von David kennt weiß, dass sein Leben oft genug von Kriegen, Straßenschlachten und bitteren Schicksalsschlägen gezeichnet war. Ein Leben in Sicherheit war für ihn nicht in erster Linie ein Leben ohne Terror, sondern ein sicheres Leben mitten im Terror. Er kannte die finsteren Täler, aber wusste eben auch, dass er da nicht alleine durch muss. Gott war an seiner Seite. Das gab ihm den Halt, der bis heute unserem Leben Stabilität geben kann. Ja, Stephanie, dieser Ort hier ist sicher!
Stefan Piechottka

